Was macht einen herausragenden Schüler aus? Sind es nur die Noten oder ist es das Brennen für eine Sache, das weit über den Unterricht hinausgeht? In einem Interview mit seiner Klassenlehrerin Asta Geibel gewährt uns der angehende Abiturient Daniel einen Einblick in seine persönliche Erfolgsgeschichte.
Er erhielt in diesem Jahr das Stipendium des 16. Februar, das 2013 von Jūratė Caspersen (Vorsitzende der Litauischen Gemeinschaft in der Schweiz) gestiftet wurde. Die Schulleitung ehrte ihn damit für sein außergewöhnliches gesellschaftliches Engagement und seinen wertvollen Beitrag zur positiven Darstellung der Schule.
Was hat dich damals dazu bewegt, dich an dieser besonderen litauisch-deutschen Schule anzumelden? Gab es einen bestimmten Grund, warum du gerade dieses internationale Umfeld gesucht hast?
Als ich damals eine weiterführende Schule gesucht habe, bin ich sehr schnell auf unser Vasario 16-osios gimnazija aufmerksam geworden, da nicht nur bereits ein paar Freunde auf der Schule waren, sondern ich auch von den Menschen aus Litauen begeistert war. Ich komme aus Polen und interessiere mich schon immer für die polnische, aber auch andere Kulturen, da meine Familie Wurzeln in ganz Osteuropa hat. Dann ein litauisches Gymnasium zu besuchen, war für mich eine wunderbare Möglichkeit, mit Litauen in Kontakt zu kommen, das geografisch und kulturell so nah und sprachlich doch so fern ist.
Nun nach vielen Jahren, kurz vor deinem Abitur, wurdest du mit dem Stipendium ausgezeichnet. Wie hast du reagiert, als du erfahren hast, dass du der diesjährige Stipendiat bist? Hast du schon mal von so einer Anerkennung geträumt?
Als mir die Schulleitung mitteilte, dass dieses Jahr das Stipendium des 16. Februar an mich verliehen wird, war ich erstmal sprachlos und die nächsten Stunden nicht wirklich ansprechbar. Auch wenn es etwas absurd klingt, begann der Traum, in der Schule mehr als nur zu lernen und später vielleicht ein Stipendium zu erhalten, auf meiner ersten Weihnachtsfeier der Schule im Jahr 2018. Als ich in der 5. Klasse war und die Feier noch im Bürgerhaus stattfand, hat eine kleine Schülerband ein Konzert gespielt, das ich nie vergessen werde. Es war richtige Heavy Metal Musik, und seitdem träumte ich davon, mich nicht nur am Unterricht zu beteiligen, sondern mich auch außerhalb der Lernstunden zu engagieren. Ich weiß nur noch, dass ich in etwa gedacht habe: „Wow, ich will auch was Cooles für die Schule machen.“ So ergriff ich jede Gelegenheit, mich an den Aktivitäten der Schule zu beteiligen. Dass dies einmal zu einem Stipendium führen würde, habe ich sehr lange Zeit nicht gedacht.
Welche Voraussetzungen oder Leistungen waren deiner Meinung nach ausschlaggebend für diese Entscheidung der Jury?
Wenn wir auf eine Liste von Aufgaben blicken, wie z.B. das Kaufen von Brötchen beim Bäcker, denken wir nur darüber nach, dass wir Brötchen zum Essen brauchen und gar nicht, dass wir auf dem Weg noch Bekannte treffen, uns etwas bewegen, die Stadt oder Natur erblicken und uns dabei entspannen können. Es ist also nicht nur das Ziel, sondern auch der Weg dahin, der eine wichtige und besondere Rolle spielt. Die Jury weiß das, denke ich, und hat nicht nur auf meine Erfolge und Teilnahmen geschaut, sondern auch darauf, wie ich Dinge angehe. Wenn ich mich schon entscheide, etwas zu tun, dann mache ich das auch richtig und sehr gerne. Ein Punkt, den ich möglicherweise für ausschlaggebend halte, ist eben der, dass ich für alle schulischen und außerschulischen Projekte brenne und gerne meine Zeit, viel Fleiß und Schweiß reinstecke. Das fängt dabei an, neue Schüler durch die Schule zu führen und geht über die Moderation von Schulveranstaltungen bis hin zum Tanzen.
Siehst du dich durch diesen Erfolg motiviert, später beruflich eine Brücke zwischen Polen, Litauen und Deutschland zu bauen?
Wie alle in meinem Alter, stehe auch ich momentan vor der Qual der Wahl. Wie sieht die Zukunft aus und besonders die berufliche? Ich ziehe momentan zwei Möglichkeiten in Betracht und eine davon hat tatsächlich etwas mit den inter-europäischen Freundschaften zu tun. Wie schon erwähnt, interessiere ich mich seit Jahren für Geschichte und Kultur und würde sehr gerne mal als Touristenführer oder Guide z.B. in einer Jugendbegegnungsstätte arbeiten.
Wer hat sich in deiner Familie oder im Freundeskreis am meisten mit dir gefreut?
Ich habe sehr schnell gemerkt, dass besonders die Menschen, die mir sehr nahe sind und mich gut kennen, sich sehr für mich gefreut haben. Besonders meine Eltern wissen, wie viel ich mir vornehme und wie viel Zeit und Schweiß in alle Projekte fließen.
Was würdest du einem Schüler oder einer Schülerin raten, die dieses Stipendium ebenfalls bekommen möchten?
Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass wenn ich etwas unbedingt möchte, ich mich manchmal daran verbeißen kann und nur noch das Ziel vor Augen habe. Dabei ist der Weg zum Ziel das Wichtigste und vor allem das, was am meisten Freude macht. Der Tipp, den ich geben kann und will, ist, dass wir nie vergessen sollten, wieso wir etwas tun und dass wir das Ziel früher oder später schon erreichen werden. Der beste Weg, etwas zu erreichen, ist, sich gar nicht auf das Ziel, sondern auf den Weg zu konzentrieren.